Mit diesen Tipps machen Sie bessere Fotos von Hunden

99 Prozent meiner Hundebilder sind Schrott. Unscharf, verwackelt, falscher Bildausschnitt. Und das wird Ihnen auch so gehen. Aber es bleibt ja noch ein Prozent über. Und darauf kommt es an: Die Perlen unter den Hundefotos, die Bilder, bei denen alles stimmt. Die zu finden, ist das Geheimnis der Hundefotografie.

Hier sind meine Tricks dazu.

Kamera vorbereiten

Für meine Hundebilder nehme ich eine schon etwas betagte Canon EOS 7D, eine Spiegelreflexkamera. Die Tipps hier sind deshalb DSLR-lastig. Doch auch mit Kompaktkameras und anderen Apparaten lassen sich schöne Bilder machen. (Und wenn Sie keine Lust auf Technik haben, hüpfen Sie gleich hier zum Fotografieren selbst.)

Bevor es zum Hunde fotografieren geht, bereite ich meine Kamera zuhause vor. Ich packe einen neuen Akku ein, vergewissere mich, dass die Speicherkarte genug Platz hat und treffe ein paar Voreinstellungen. Die wichtigsten habe ich in der folgenden Liste:

Hochgeschwindigkeits-Serienbildmodus

Hunde bewegen sich, auch wenn sie liegen oder sitzen. Immer wieder kommen neue Reize, sie drehen ihren Kopf, rutschen ein wenig nach vorne, stellen die Ohren auf, gähnen und so weiter und so fort. Da auf den richtigen Augenblick für das Auslösen zu warten, ist ein Glücksspiel. Deswegen habe ich den Serienbild-Modus an.

Meine alte EOS 7D schafft bis zu acht Bilder pro Sekunde. Meist mache ich so fünf, sechs Bilder am Stück. Noch wichtiger wird der Serienbildmodus, wenn sich der Hund frei bewegt, zum Beispiel über eine Wiese rennt oder über einen Graben springt. Mit den Serienbildern habe ich eine bessere Chance auf ein gutes Bild.

Fini springt über Graben
Fini springt über Graben

Autofocus nachführen

Sobald sich der Hund bewegt, wird es schwierig mit der Schärfe. Bei Serienbildern habe ich deshalb immer das automatische Nachstellen der Schärfe aktiviert. Allerdings darf ich davon keine Wunder erwarten. Gegen einen sausenden Hund ist der Autofocus meiner 7D eine lahme Ente. Dennoch erhöht der ständige Autofocus die Chance, ein gutes Bild zu bekommen.

Kleine Blende

Für den Anfang wähle ich bei einem Hund immer eine relativ kleine Blende – also eine eher höhere Blendenzahl. 4, 5.6 oder sogar 8 sind die Blenden meiner Wahl. Warum? Weil ich damit Schärfereserven habe. Bilder mit offener Blende sehen zwar toll aus, sind wunderbar weich und schön – aber der Schärfebereich bei Blende 1.4 bewegt sich bei meinem Equipment im Zentimeterbereich. Da reicht es, dass der Hund leicht den Kopf bewegt – und schon ist er aus der Schärfe raus. Ich habe hunderte solcher Bilder. Erst wenn ich ein paar Aufnahmen sicher im Kasten habe, probiere ich es auch mal mit offener Blende.

Keine Lust auf manuelle Einstellungen?

Sie haben keine Lust, alles von Hand einzustellen? Dann schalten Sie Ihre Kamera in den Sportmodus. Dann sollten die wesentlichen Funktionen wie Serienbildmodus und kurze Belichtungszeiten aktiv sein. Lesen Sie sicherheitshalber in der Bedienungsanleitung zu Ihrer Kamera nach, ob das wirklich so ist.

Belichtungszeit 1/200s bis 1/500s

Wie schon erwähnt, bewegen sich Hunde gerne. Mit nur 1/60s bekomme ich sehr oft Bewegungsunschärfen in den Bildern. Deswegen stelle ich von vornherein eine kürzere Belichtungszeit ein. Für ruhige Aufnahmen 1/200s – und wenn der Hund draußen rumtobt mindestens 1/500. Innen gehe ich herunter bis auf 1/50s. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn mein Motiv wirklich still hält.

Wie meine anderen Vorschläge an dieser Stelle soll die kurze Belichtungszeit keine Regel sein, eher ein Vorschlag für den Anfang. Mit Übung und ein wenig Glück bekommen Sie vielleicht bei 1/100s ein schönes Bild eines rennenden Hundes mit schöner Bewegungsunschärfe auf den Beinen.

400 ASA für höhere Lichtempfindlichkeit der Kamera

Die kleine Blende und die kurze Belichtungszeit fordern ihren Tribut: Die Kamera braucht Belichtungssreserven, damit die Bilder nicht zu finster werden. Ich stelle meine Kamera daher auch bei gutem Tageslicht auf 400 ASA ein – bei schlechteren Witterungsverhältnissen gehe ich bis 800. Leider endet hier der Spielraum meiner 7D. Die Qualität des Bildes lässt arg nach. Bei besseren Kameras gehen noch höhere ASA-Zahlen.

RAW

Ich habe in meiner Kamera immer das RAW-Format eingestellt. Da muss ich mir keine Gedanken um den Weißabgleich machen. Und dank der viel umfangreicheren Bilddaten habe ich in der Nachbearbeitung mehr Spielraum für Korrekturen. Mehr zum Thema habe ich hier geschrieben: RAW-Bilder.

Objektive

Meist packe ich zwei Objektive ein: Mein Zoomobjektiv für die dynamischen Bilder und eine 50mm Festbrennweite für die ruhigen Aufnahmen. Die Festbrennweite macht wirklich schöne Portraits – so lange das Hunderl einigermaßen still hält.

Bei der Wahl des Objektivs vor Ort stelle ich mich auf den Hund ein. Wenn er bereit ist, still zu halten, gibt es ein paar schöne, ruhige Portraits mit der Festbrennweite. Und wenn nicht, dann richte ich mich nach ihm, schraube das Zoomobjektiv drauf und sehe zu, was mir der Hund anbietet.

Ibo stehend im Garten - (Foto: Martin Goldmann)
Ibo stehend im Garten – (Foto: Martin Goldmann)

Die Fotosession

Habe ich alles eingepackt und passt das Wetter, kann es los gehen. Halt mal, passendes Wetter? Wann ist passendes Wetter? Ich gehe am liebsten raus, wenn die Sonne scheint. Denn ich brauche Licht für die kurzen Belichtungszeiten. Ideal ist der Vormittag und der spätere Nachmittag, wenn die Sonne schon etwas tiefer steht. Das harte Mittagslicht im Sommer meide ich. Da sind die Schatten knallhart und die Kontraste ebenfalls. Bei hellen Hunden drohen dann, Bildbereiche auszufressen – an Stelle von Bildinformationen tritt reines Weiß. Das sieht nicht gut aus.

Für normale Bilder sehe ich zu, dass ich die Sonne schräg hinter mir habe. Schräg deswegen, weil dann einige Bereiche des Hundes etwas im Schatten liegen. Wenn die Sonne frontal auf den Hund scheint, ist er ausgeleuchtet wie ein Pfannkuchen und wirkt flach. Außerdem bringt die Sonne im Rücken ein weiteres Problem: Der eigene Körperschatten fällt unter Umständen auf den Hund.

An anderer Stelle im Tippscout schreibe ich, dass Gegenlicht viel schöner ist. Stimmt natürlich. Deswegen fotografiere ich gerne Hunde im Gegenlicht. Allerdings ist das bei dunklen Hunden oft ein Problem. Denn das helle Gegenlicht lässt mir nur die Wahl, den Hund im Vordergrund schwarz absaufen zu lassen. Oder ich belichte den Hund korrekt, dann frisst mir der Hintergrund aus.

Einzige Abhilfe: Irgendwie den Hund von vorne beleuchten. Vielleicht mit einem Aufhellblitz oder einem Reflektor. Aber weder das eine noch das andere habe ich normalerweise dabei. Ein kleiner Trick: Die helle Hauswand im Rücken: Die Sonne kommt aus der Gegenrichtung, aber die Reflexion der Hauswand hellt den Vordergrund auf. (Hier im Beispiel kommt die Sonne von vorne rechts).

Chico im Gegenlicht - (Foto: Martin Goldmann)
Chico im Gegenlicht – (Foto: Martin Goldmann)

Bei hellen Hunden habe ich mehr Spielraum im Gegenlicht. Da kann ich dann auch mal ein bissl spielen, etwa mit alten Fotolinsen, die im Gegenlicht milchig weiß werden und dann noch schöne Lensflares erzeugen. Wichtig ist doch, dass ich meinen Spaß am Fotografieren habe. Dafür sind Hobbys schließlich da. (Im Beispiel kommt die Sonne von vorne links.)

Fini im Gegenlicht mit dem Flare - (Foto: Martin Goldmann)
Fini im Gegenlicht mit dem Flare – (Foto: Martin Goldmann)

Ich fotografiere am liebsten draußen. Gerne auch in einem Wintergarten. Innen ist mir das Licht zu schwach. Die Fotografie mit Blitzlicht gehört nicht zu meinen Favoriten. Da fehlt die Erfahrung. Falls ich aber mal blitzen muss, dann drehe ich den Blitz an die Decke, so dass indirektes Licht auf den Hund kommt. Keinesfalls blitze ich direkt das Tier an. Das sieht grauslich aus – und das mögen auch nicht alle Hunde. Falls das Licht von oben zu langweilig wirkt, drehe ich den Blitz so, dass er Wand und Decke schräg über meiner Schulter anblitzt. So kommt das reflektierte Licht von schräg oben auf den Hund und sieht auch ganz ordentlich aus.

chico blitz - (Foto: Martin Goldmann)
chico blitz – (Foto: Martin Goldmann)

Hund kennen lernen

Wenn ich einen fremden Hund fotografieren will, nehme ich mir zuerst Zeit, damit wir einander kennen lernen. Ist es ein quirliges Kerlchen? Hat er Angst vor mir? Wie reagiert er auf die Kamera? Oder ist er mir nicht wohl gesonnen? Meist stelle ich mich erst einmal hin und gucke teilnahmslos in die Gegend. Nach dem ersten beschnüffeln, gehe ich – je nach Hund – in die Hocke, lasse den Hund an der Kamera und an meiner Hand schnuppern bis ich das Gefühl habe, dass meine Nähe ok für ihn ist. Auf Streicheleien verzichte ich, außer der Hund zeigt wirklich, dass er das will.

Geduld

Geduld ist wichtig. Ich nehme mir so viel Zeit wie möglich für die Bilder. Dann kann ich mich auf den Hund einstellen, kann Probebilder machen, ein wenig herumexperimentieren und nach geeigneten Hintergründen suchen. A propos Hintergründe: Weiße Hauswände sehen nicht besonders lebhaft aus. Bei braunen Hunden würde ich auch vermeiden, sie vor Holzwänden, etwa einem Schuppen zu fotografieren. Rotbrauner Hund vor rotbraunem Holz – das sieht nicht so schick aus.

Manche Hunde haben gar keine Lust auf Fotos und anderes im Kopf. In solchen Fällen hole ich mir Hilfe. Frauchen oder Herrchen dürfen dann ihren Hund ablenken oder ihn dazu bringen, in eine bestimmte Richtung zu sehen.
Und wenn ich alleine mit dem Hund bin, versuche ich anderweitig, seinen Blick in meine Richtung zu lenken. Mit Geräuschen, Spielzeug, was auch immer. Hauptsache, das Tier sieht her. (Ok, bei Spielzeug kommen meine Hunde dann zu mir gelaufen – das ist dann auch nicht ganz im Sinne des Fotografen.)

Keinen Zwang

Keinesfalls sollten Sie bei fremden Hunden irgendwelchen Zwang anwenden – vor allem dann nicht, wenn sie ängstlich wirken. Ich wollte letzten Sommer einen fremden Hund anleinen, der sich verlaufen hatte. Dazu habe ich ihm ans Brustgeschirr gefasst und ihn ganz leicht zu mir gezogen, um ihn anleinen zu können. Ohne Vorwarnung hat er mich ins Gesicht gebissen. Ich hätte es mit meiner Hundeerfahrung eigentlich besser wissen sollen – das war leichtsinnig und passiert mir sicher nicht noch einmal.

Bilder mit dem Smartphone

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Wenn sich beim Gassi gehen mal ein schönes Motiv ergibt und ich gerade keine große Kamera einstecken habe, dann halte ich mit der Smartphone-Kamera drauf. Auch hier können sich schöne Bilder ergeben. Da die meisten Smartphones sehr weitwinkelige Optiken haben, versuche ich, möglichst nah an die Tiere zu kommen – aber auch wieder nicht so nah, dass sie wegen der Weitwinkel-Verzerrung aussehen wie kleine Ballons.

Smartphone-Bild mit chico - (Foto: Martin Goldmann)
Smartphone-Bild mit chico – (Foto: Martin Goldmann)

Fototipps

Das Wetter passt also, die Kamera ist vorbereitet, das Licht stimmt und der Hund hat gute Laune? Was braucht es dann noch für ein gutes Hundebild? Hier sind meine Erfahrungen.

Augenhöhe oder tiefer

Bei meinen Hundebildern liege ich oft bäuchlings auf dem Boden, um auf Augenhöhe mit dem Tier zu kommen. Noch besser werden die Bilder meiner Meinung nach, wenn ich sogar noch ein wenig unter die Augenhöhe komme. „Untersichtig“ nennt man das, ich fotografiere die Hunde dann also von unten nach oben.

Bienchen und Fini von unten - (Foto: Martin Goldmann)
Bienchen und Fini von unten – (Foto: Martin Goldmann)

Wenn man Hunde „aufsichtig“ also von oben herab fotografiert, wirken sie klein und hilflos. Natürlich kann das gelegentlich erwünscht sein. Aber in der Regel heißt es: runter! Nicht nur auf die Knie, sondern auf den Bauch. Natürlich nur, wenn ich dem Hund vertraue.

Bienchen von oben - (Foto: Martin Goldmann)
Bienchen von oben – (Foto: Martin Goldmann)

Nah ran

Ich mag am liebsten die Bilder, bei denen der Hund das Format füllt. In den meisten Fällen bedeutet das: Ran ans Motiv. Nein, nicht mit dem Zoom- oder dem Teleobjektiv den Hund heranholen, sondern selbst nah ran gehen. Warum nicht Tele? Weil die lange Brennweite die Hunde unschön staucht. Hunde sind ja keine scheuen Wildtiere und können ein wenig Nähe vertragen. (Anderseits schätzt es unsere Dalmatiner-Dame Bienchen gar nicht, wenn ich ihr mit der Kamera 30 Zentimeter vor der Nase herumwusle. Da hilft nur Geduld und warten…)

Schärfe auf die Augen

Ich habe schon eingangs erwähnt: Die Schärfe ist das Hauptproblem bei Hundebildern. Denn die sollte auf den Augen liegen. Hierhin blicken wir beim Betrachten eines Bildes unwillkürlich. Ich richte bei meiner Kamera deshalb immer eine Spotmessung ein, um die Schärfe ein einem kleinen Bereich zu messen. Das Messfeld stelle ich dann so, dass es nicht genau in der Mitte liegt sondern leicht links oben oder rechts oben im Bild misst. Das hilft mir bei der Bildaufteilung. Dann auf das Auge zielen, warten, bis die Kamera die Schärfe nimmt und abdrücken.

Leider werden die Bilder trotzdem nicht immer scharf. Denn der Hund bewegt sich. Da hilft nur: bissl stärker abblenden (also die Blende zudrehen, um eine höhere Schärfentiefe zu erreichen) und mehrere Aufnahmen probieren.

Natürlich gibt es von der Regel „mach die Augen scharf“ auch Ausnahmen – manchmal unabsichtlich. Bei diesem Bild liegt die Schärfe auf der Nase. Und irgendwie passt sie da auch 🙂

Fini beim Relaxen - (Foto: Martin Goldmann)
Fini beim Relaxen – (Foto: Martin Goldmann)

Besonders bei Action-Aufnahmen ist das mit der Schärfe so eine Sache. Wenn der Hund auf mich zu rennt, habe ich zwar die Chance auf ein gutes Bild, aber die Kamera kommt mit dem Scharfstellen nicht mehr scharf. Hier hilft es, wenn ich mich mit einer manuell eingestellten Schärfe vorbereite und dann warte, bis der Hund durch das Bild läuft. Dank der schnellen Serienbildfunktion habe ich dann eine gute Chance, dass ich den Hund in einem Bild scharf erwische.

Besser klappen Action-Bilder, wenn ich den Hund ein bissl seitlich erwische. Da ist er nicht so schnell durch den Schärfebereich durch. Aber besonders bei Action-Bildern gilt: Üben, üben, üben. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich sein will.

Nachbereitung

Sobald ich die Bilder auf meinem Computer einlese, packt mich der Frust: Unscharf, verwackelt, nur das Hinterteil. Klar: mit schnellen Serienbildern produziere ich eine Menge Ausschuss. Darauf sollten Sie sich auch einstellen. Bei 100 oder 200 Bildern sind vielleicht fünf, sechs Perlen dabei – gute Bilder, die sich sehen lassen. Und genau für diese paar Bilder lohnt der Aufwand.

Es lohnt sich, die Bilder hinterher zu analysieren und nachzusehen, welche Kameraeinstellungen bei den guten Bildern am Start waren. Daraus lassen sich gute Schlüsse ziehen für die nächste Foto-Session mit Hunden – die dann bestimmt noch besser wird.

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